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Sind Kinder ein Störfaktor in der Arbeitswelt?

2016-09-20_Haltestelle-Familie_Birgit_Westermann_kleinFamilienbund und KAB diskutieren im Forum am Dom
Ob Kinder ein „Störfaktor in der Arbeitswelt“ oder die „Zukunft der Gesellschaft“ sind, war Thema der Diskussionsveranstaltung des Familienbundes der Katholiken im Bistum Osnabrück und der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) am 20. September im Forum am Dom in Osnabrück. Referentin Birgit Westermann, Leiterin der Osnabrücker Erziehungs- und Familienberatungsstelle, hatte zu dieser Frage eine eindeutige Antwort: „Ohne Kinder hat unsere Gesellschaft keine Zukunft.“

Sie merke sehr wohl, wie Familien in der heutigen Zeit „Tempo aufnehmen müssen“, machte Westermann bei der Veranstaltung deutlich. In der Wirtschaft werde nicht selten geklagt, dass Arbeitnehmer, die Eltern seien, für die Berufswelt nicht mehr vollständig zur Verfügung ständen, so die Psychologin. Im Arbeitsalltag werde eine „maximal planbare flexible Einsatzmöglichkeit“ angestrebt.

Wenn heute auch von der Politik eine immer bessere Bildung junger Menschen gefordert werde, müsse jedoch auch bedacht werden, dass „Bildungsprogramme ein geglücktes Bindungsprogramm zur Voraussetzung hätten“, forderte Westermann. Um das zu unterstützen, sei es jedoch vonnöten, Eltern auch die Möglichkeit zu geben, mit ihren Kindern Zeit zu verbringen.

Birgit Westermann sprach sich dafür aus, ein neues „Gleichgewicht zwischen der familiären und der gesellschaftlichen Realität herzustellen“. Westermann empfahl den Teilnehmern: „Wenn es Ihre finanziellen Bedingungen erlauben und Ihre eigenen Wünsche damit übereinstimmen, bleiben Sie in den ersten drei Jahren des Lebens Ihrer Kinder zu Hause.“ Falls die Voraussetzungen anders gelagert seien, „sorgen Sie für eine liebevolle Ersatzperson“.

2016-09-20_Haltestelle-Familie_TNN_kleinDen Teilnehmern der Veranstaltung gab die Erziehungs- und Familienberaterin mit auf den Weg: „Seien Sie, wenn Sie da sind, auch wirklich da und seien Sie bei wichtigen Ereignissen Ihrer Kinder präsent!“ Beispielhaft nannte Westermann dazu Veranstaltungen im Kindergarten, die Einschulung des Kindes oder Sportereignisse. Außerdem warb sie dafür, älteren Kindern den eigenen Arbeitsplatz zu zeigen, damit es eine Vorstellung davon habe, wo sich die Eltern bei Abwesenheit aufhielten.

Bei der Diskussion forderten Christoph Pelke von der KAB und Peter Klösener vom Familienbund bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Nichtrealisierung des Kinderwunsches ändere sich erst, wenn sich die Rahmenbedingungen änderten, so die Verbandsvertreter. Es müsse die Wahlfreiheit von Eltern angestrebt werden, wenn es um die Frage „Beruf oder Sorge um Kinder“ gehe. Dazu seien alternative Modelle wie zum Beispiel die Unterstützung durch ein Kindergrundeinkommen oder auch eine gerechte Gestaltung der Beiträge zu den Sozialversicherungen neu zu diskutieren.

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